
Der Investor Brauner will den Umsonstladen in der Kastanienallee 86 räumen lassen. Vor sechs Jahren hat er
das Haus gekauft, um sein Geld dort „arbeiten“ zu lassen. Das heißt: Aufhübschen und Aufmotzen des
Gebäudes, Mieten rauf und die mittellosen Bewohner_innen gegen die neue zahlungswillige Designer-Szene
austauschen.
Das wurde schwieriger als er dachte: Die Hausgemeinschaft, zu der im Hinterhaus das schwule Wohnprojekt
Tuntenhaus gehört, hält zusammen und hat Mietverträge. So greifen die Herren als erstes nach dem von
den BewohnerInnen gemeinschaftlich genutzten Souterrain-Laden im Vorderhaus. Ein schicker
Klamottenladen oder ein feines Weinlokal bringt in dieser Gegend richtig Geld.
Jahrelang war in den Kellerräumen eine nichtkommerzielle Galerie, einer der kulturellen Anziehungspunkte
der Kastanienallee. Seit dem Frühjahr hat der Umsonstladen dort einen neuen Standort gefunden, nachdem
er im vergangenen November in der Brunnenstraße 183 vor die Tür gesetzt wurde – ebenfalls von einem auf
Rendite bedachten Investor.
Für Dienstag, den 31. August, morgens um 8 Uhr, hat sich jetzt der Gerichtsvollzieher angekündigt, um
rauszuschmeißen, wen immer er im Laden antrifft. Gegen die jetzigen LadennutzerInnen gibt es gar
keinen gültigen Räumungstitel, aber das ist den Gerichten und den Schergen egal: Platz da für den
Eigentümer und für sein Grundrecht auf Verwertung und Geldvermehrung! Hat er das? Nein, hat er nicht,
jedenfalls moralisch nicht. Denn das, was er mit Gentrifizierung und Mietsteigerungen auszubeuten
gedenkt, hat er den Menschen enteignet, die er auf die Straße setzen will!
Die Renditeerwartung für Immobilien in der Kastanienallee ist deshalb hoch, weil der Stadtteil mit seinem
“radical chic“ zahlungsbereites Publikum von überall anzieht. Die Menschen, die hier ihre Klamotten kaufen
und ihren Cocktail schlürfen, versuchen damit teilzuhaben an dem Flair dissidenter, nicht-kommerzieller
Lebensweise, die hier mal zuhause war und zum Teil noch ist. Dazu gehören auch die Projekte in dem
Doppelhaus Kastanienalle 85/86: der politische Buchladen, das linke Kneipenkollektiv, die Druckerei für
linke Propaganda, die Volxküche, die kostenlose, selbstorganisierte Essensverteilung, das Tuntenhaus als
Anlaufpunkt für Schwule mit seinen legendären Hoffesten, früher die Galerie und jetzt der Umsonst- und
Verleihladen.
Die Investoren schmeißen die Projekte raus und beuten das Image aus, das diese hinterlassen haben!
Brauner hat kein Recht, aus der Inwertsetzung nicht-kommerzieller Projekte Kapital zu schlagen. Er hat kein
Recht, diesen Laden denen zu enteignen, die sich dem Konsumzwang widersetzen. Die Vertreibung und
Zerstörung nicht-kommerzieller Lebensräume muss gestoppt werden.
Kommt alle zum Räumungstermin des Umsonstladens!
Gemeinsames Frühstück am Dienstag, 31. August 2010, 7.30 Uhr (morgens!)