Mieter: »Gewinnsucht ist heilbar«

Hausprojekt in Prenzlauer Berg wehrt sich gegen Sanierungsvorhaben

Von Haidy Damm

Da hatten die Passanten im beschaulichen Wittenau an der Oranienburger Straße etwas zu gucken. Rund 60 Unterstützerinnen des Hausprojektes Kastanienallee 86 (K 86) haben sich gestern mit Transparenten und Musik vor der Arztpraxis des Eigentümers Michael Brauner versammelt. Sie werfen ihm und den beiden anderen Eigentümern vor, bei ihren Sanierungsvorstellungen keine Rücksicht auf die Lebensstrukturen der rund 40 Bewohnerinnen zu nehmen.

Trotz Termin war die Praxis jedoch an diesem Tag in Betriebsurlaub gegangen. Das kommentierten die Bewohner mit lauten »Wir kommen wieder!«-Rufen. Vor zwei Jahren hatten Michael Brauner, Andreas Schlothauer und Günter Witte das Haus von einem Düsseldorfer Investor gekauft. Jetzt sollen Teile des ehemals besetzten Hauses saniert werden. Besonders die Ankündigung der Eigentümer, die Dachgeschosse zu luxussanierten Mietwohnungen zu machen, ruft Kritik hervor. »Das passt überhaupt nicht mit unserem Wohnkonzept zusammen«, erklärt Claudia, die seit einem Jahr im Hinterhaus wohnt.

Seit der Besetzung 1990 haben sich in der K 86 verschiedene Projekte entwickelt. Im Hinterhaus befindet sich das Tuntenhaus, in dem 18 Schwule leben. Das Souterrain wird für eine nichtkommerzielle Galerie genutzt. Außerdem gibt es hier eine Verteilstelle für Lebensmittel, die in umliegenden Supermärkten gesammelt und an bedürftige Menschen verteilt werden. Ein lebendiges Haus, das im Stadtteil fest verankert ist, so Claudia. Wenn jetzt mittendrin Luxuswohnungen entstehen, sieht sie den sozialen Konsens gefährdet.

Zudem hat Schlothhauer angekündigt, er wolle selbst in eine der Dachgeschosse einziehen. Seit 16 Jahren lebt Karsten im Projekt: »Der Eigentümer hätte, selbst wenn er an unseren Hausplena, die unser Zusammenleben organisieren, teilnehmen würde, immer eine Machtposition«, erklärt er. Um ihre Position zu stärken, haben die Mieterinnen Gesamtmietverträge vorgeschlagen.

Der Eigentümer habe nicht reagiert. »Wir werden unsere Rechte weiter gemeinsam verteidigen«, so Karsten. »Bloß weil da jemand 500 000 Euro für ein Haus auf den Tisch gelegt hat, hat er nicht das Recht, in unserem Leben herumzupfuschen.« Dem Eigentümer Brauner gaben die Demonstranten daher auf Transparenten den Rat: »Gewinnsucht ist heilbar«.

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